Mama, wie machst du Rouladen?

Wie ich schon bei „Mama, wie machst du Grünkohl?“ schrieb, koche ich nicht nach Rezept und es fällt mir schwer, aufzuschreiben, wie ich etwas koche.

Doch Tochter und Beutetöchter wohnen nicht in unserer Nähe und wir sehen uns nur wenige Male im Jahr. Für ein gemeinsames Kochen fanden wir bislang nie die Zeit, deswegen versuche ich mich nach und nach an „Anleitungen“ für unsere Familienrezepte, heute eben an Rouladen.

Diese „Mama-Rezepte“ sind also in erster Linie für die Töchter gedacht, aber vielleicht hat der eine oder andere Blogleser ja ebenfalls Lust sie nachzukochen.

Die Oma – also meine Mutter-  hat sie schon so geschmort/gekocht/gebraten und bis auf wenige Veränderungen sind es immer noch die Originalrezepte von ihr.

Meine Mutter hat Rouladen immer am Vortag geschmort, über Nacht kühl gestellt und am nächsten Tag noch einmal für eine gute Stunde geköchelt.

Meistens gab es sie an einem Sonntag oder einem Feiertag und das ganze Haus roch schon einen Abend zuvor nach Gebratenem und nach Rotkohl.

Der Pudding zum Nachtisch wurde auch am Vortag gekocht und wir Kinder durften schon mal den Topf „auskratzen“ und den Rührlöffel ablecken und uns auf morgige Schlemmereien freuen. Mein Lieblingspudding war übrigens Vanillepudding mit Brombeersoße. Von Brombeeren, die wir noch selbst gepflückt haben.

Es wäre schade, wenn diese Rezepte irgendwann -sozusagen mit mir- verschwinden würden, deswegen mache ich mir gern die Arbeit und notiere sie.

Da es bei uns zu Haus nicht üblich war, dass wir Kinder beim Kochen helfen durften, konnte ich als junge Frau weder kochen, noch hatte ich irgendwelche Küchenerfahrung. Als ich anfing, mich für das Kochen zu interessieren, musste ich mir alles anlesen, einige Kurse besuchen und üben, üben, üben.

Als ich mich dann irgendwann für diese alten Rezepte interessierte, habe ich meine Mutter ausgefragt und die Tanten ausgequetscht, weil die eine wunderbar kochen, die andere wunderbar backen und wieder eine andere wunderbar einkochen konnte.

Erfragt mal alte Rezepte von Oma, Mutter oder Tanten. Das ist ein mühseliges Unterfangen, denn es heißt oft: Ach Gott, wieviel ich davon nehme, weiß ich nicht. Eben nach Gefühl!

Es heißt: Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Vielleicht kann ich meiner Tochter oder den Beutetöchtern auf diesem Weg ein kleines Feuer mitgeben.

Und auch den Töchtern zuliebe wage ich mich heute an ein Experiment, in dem ich die Rinderrouladen in Twist-Off-Gläsern einkoche und -na klar- sie ihnen per Post sende.

Normalerweise nehme ich Rinderrouladen aus der Oberschale, aber die Fleischerin war der Meinung, dass Rouladen aus der Unterschale ebenso gut seien und ich solle das doch einmal ausprobieren.

Zutaten:

Rinderrouladen ( dieses Mal eben aus der Unterschale)

Senf, Salz, Pfeffer, Öl zum Braten

Zwiebeln, eingelegte Gürkchen/ Cornichons

Speckstreifen

Rotwein, Knoblauchzehe

 

Zunächst einmal werden sie gesalzen und gepfeffert und großzügig mit Senf bestrichen.

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Zwiebeln und Gürkchen in Würfel schneiden und auf die Rouladen verteilen.

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Jeweils zwei Streifen geräucherten und gestreiften Speck auf die Rouladen legen.

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Einige legen in die Füllung noch ein kleines Bällchen Hackepeter hinein, meine Mutter hat darauf verzichtet und ich mache es je nach Lust und Laune.

Rouladen vorsichtig aufrollen.

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Bei uns werden die Rollen nicht mit Rouladenklammern festgesteckt, sondern mit einem Bindfaden (Nähgarn aus Baumwolle) zusammengebunden. Das Abwickeln ist später zwar etwas mühsam, aber da sie durch das Band fest zusammengehalten werden, kann man sie besser anbraten.

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Portionweise anbraten.

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Für das Anbraten sollte man sich etwas Zeit nehmen, denn nur von gut angebratenen Rouladen bekommt man eine würzige Soße. Also: nicht zu heiß anbraten und von allen Seiten gut bräunen. Eine kleine Knoblauchzehe fein schneiden und kurz mitbräunen.

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Rouladen aus dem Topf nehmen und Bratenfond mit trockenem Rotwein ablöschen.

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Rouladen und Soße (also Bratenfond mit Rotwein) in eine backofenfeste Form geben.

In den Sud kann man noch etwas Senf, Salz, restliche Gürkchen, einige grüne Pfefferkörner geben. Meine Mutter gab auch einen kleinen Brühwürfel dazu.

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Ich habe dafür eine große Form aus Edelstahl mit einem umgebogenen Rand. Der ist praktisch, weil nun alles gut mit Alufolie verschlossen wird, die ich unter diesen Rand perfekt feststecken kann und somit kein Dampf entweicht.

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Bei etwa 175 Grad Umluft für eine gute Stunde in den Backofen geben.

Normalerweise werden sie nun „unausgepackt“ über Nacht kühl gestellt, ich habe jedoch für euch die Alufolie geöffnet, damit ihr sehen könnt, wie sie jetzt aussehen.

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Am nächsten Tag werden die Rouladen für etwa eine Stunde im Ofen weitergeschmurgelt. Also…ein wenig nach Gefühl 🙂

Zwischendurch hole ich die Form mit den Rouladen kurz heraus und prüfe, ob sie zart geworden sind, wickel vorsichtig das Band ab und schmecke die Soße ab. Anschließend wieder gut verschließen. Die Soße etwas abbinden und die Rouladen wären nun eßfertig.

 

Einkochen in Twist-Off-Gläsern

Da ich die Rouladen einkochen möchte, habe ich sie heute morgen jedoch nur leicht erhitzt und sie dann in Twist-Off-Gläser gefüllt.

Gläser und Deckel müssen sehr sauber sein. Meistens stelle ich sie für eine kurze Zeit in kochendes Wasser oder trocken in den heißen Backofen.

Rouladen mit der filtrierten, heißen Soße auffüllen. Sofort mit dem Deckel verschließen. Die Soße darf nicht vor dem Einkochen mit Stärke/ Sahne/ Soßenfix  o.ä. abgebunden werden.

Gläser in ein  Wasserbad (kochendes Wasser verwenden)  in den Backofen geben und bei etwa 150 Grad eine Stunde einkochen. Die Gläser ein wenig beobachten und evtl. die Temperatur -wenns arg drin brodelt- herunterstellen.

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Gläser abkühlen lassen. Kühl stellen und recht zügig verbrauchen.

Da ich die Gläser versenden will und nicht weiß, ob sich meine Töchter an meine Anweisung, die Rouladen zügig zu verbrauchen halten werden, koche ich Fleisch oder auch eine Erbsensuppe nach 1 bis 2 Tagen ein zweites Mal ein.

 

Demnächst: die weltbeste Bolognese-Soße einkochen oder: Mama, wie machst du Nudelsoße?

 

3 Kommentare zu „Mama, wie machst du Rouladen?

  1. Bei uns zuhause war Speck verpönt, daher kam ein ordentlicher Batzen Mett hinein, das macht sie ja gleich viel schlanker! *lol* Aber der Rest ist gleich.
    Es wäre wirklich schade, wenn manch alte Rezepte verschwinden würden, wir sammeln sie inzwischen auch.

    Gefällt mir

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