Veronika und Lothar fliegen aus: Verdun

Das Wetter war ja brauchbar, also waren wir endlich mal wieder unterwegs.
Da es die Champagne werden sollte, war ein kleines Hotel auf dem Land gebucht, ganz romantisch, und flugs ein Köfferchen gepackt.
Nun ist Frankreich ja nicht mit so einem dichten Autobahnnetz gesegnet wie Deutschland, also haben wir dem Navi die Wahl der günstigsten Strecke überlassen, es ging von Köln aus nach Westen, dann durch Belgien, Luxembourg kurz links liegen gelassen und schwupps ist man in Frankreich.
Und das war dann (außer den Übernachtungen im wirklich schnuckeligen Hotel) alles, was von der geplanten Reise übrig blieb.
Denn der erste größere Ort, der dann auf den Schildern auftaucht, ist Verdun. Und der geschichtsbegeisterte Ehemann schaltete verdammt schnell: „Da gibt es aber viel zu sehen!“
Na gut, ich bin kein Spielverderber, die Champagne läuft nicht weg, und ein Blick in die Geschichte schadet ja auch nicht.
Also Verdun.
Und Umgebung.
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Um es vorweg zu nehmen, wer an solchen Dingen interessiert ist, sollte da wirklich einige Tage einplanen und bequeme Schuhe mitnehmen, es gibt wirklich viel zu sehen.
Verdun selbst ist – wie fast alle Orte in der Gegend – nicht sehr schön.

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Im Ersten Weltkrieg wurde alles zerstört, also wirklich flächendeckend, und danach schnell und mit wenigen Mitteln wieder aufgebaut, und das sieht man.
Viele kleine Orte erinnern an alte Zechensiedlungen im Ruhrgebiet, und äußerlich ist nicht viel saniert/renoviert worden, denn der Landstrich gehört immer noch zu den ärmeren Ecken Frankreichs.
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Viel umfangreicher wird in Museen, Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten investiert, da ist alles penibel gepflegt und auf neuestem Stand.
Als erste Station haben wir das „Memorial Verdun“ gewählt, ein komplett neu gestaltetes Museum mit interessanten Ausstellungsstücken und einem teilweise ungewöhnlichen Konzept.
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Man hat stellenweise den Boden so gestaltet, wie er damals ausgesehen haben muss, und der Besucher kann über Glasscheiben darüber gehen. Das fiel nicht nur uns wirklich schwer, es ist ein seltsames Gefühl, und jeder blieb erst einmal stehen und tastete sich vorsichtig voran.
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Für einen Besuch dort sollte man um die 2 Stunden einplanen.
Ganz in der Nähe ist dann das „Beinhaus“, in dem ca. 130000 Gefallene bestattet sind.
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Wie auch im Memorial kann man dort Filme zum Thema schauen, teilweise mit Kopfhörern für die Verdolmetschung.
Die beiden naheliegenden Forts, Fort Douaumont und das etwas kleinere Fort de Vaux, können innen besichtig werden, und man kann die Anlagen auch außen begehen, es führen Treppen mit Handläufen nach oben, aber auch hier sind halbwegs feste und bequeme Schuhe von Vorteil.
Innen gibt es die verschiedenen Abteilungen, wie Schlafräume, Sanitätsstation, Befehlsstand oder auch den Taubenschlag für die damals gehaltenen Brieftauben zu sehen.
Bewegt man sich von einer Gedenkstätte zur nächsten kommt man an einigen zerstörten Dörfern vorbei, die nie wieder aufgebaut und besiedelt wurden. Die Ruinen sind inzwischen stark bewachsen, aber man erkennt immer noch etliche Umrisse und Reste von den damaligen Häusern.
Überhaupt merkt man auch beim einfachen Waldspaziergang noch immer die Folgen des Krieges. Es reiht sich Krater an Krater, und auch viele Schützengräben sind noch erhalten.
Das vom ursprünglichen Reiseplan beibehaltene Hotel ist sehr zu empfehlen, es liegt in Marre und heißt „Le Village Gaulois“, das gallische Dorf, und so sieht es auch fast aus.
Es kommt einem vor wie der Lebenstraum der Betreiber, die in jahrelanger Arbeit alles so liebevoll gestaltet haben.
Man wird sehr freundlich und familiär aufgenommen, und der Patron findet immer Zeit für ein persönliches Wort.
Die Steine für die einzelnen Gebäude wurden nach und nach gesammelt, die runde „Hütte“ des Restaurants sieht so aus als käme jeden Moment Majestix heraus mit der einzigen Sorge, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Dicke, niedrige Holztüren und ein offener Kamin runden das Bild perfekt ab.
Die Zimmer sind alle individuell und sehr einfallsreich gestaltet, sie haben keine Nummern sondern Namen, wir bewohnten „Tulipe“, welches eine hübsche Terrasse im üppigen Bauerngarten hat.
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Und die Küche ist so hervorragend, dass wir jeden Abend im Hotel geblieben sind und dort gegessen haben.
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Marre scheint ein guter Ausgangspunkt für Touren aller Art zu sein, nicht nur Richtung Verdun, denn wir trafen einige Radler und Wanderer dort. So wird es sicher noch einmal unser Ziel sein, wenn wir dann die andere Richtung erkunden werden, die Champagne und Reims.

Mely Kiyak fühlt sich nicht

Dies ist eine Ersatzkolumne. Die von mir und Ihnen geschätzte Gorki-Theater-Kolumnistin Mely Kiyak ist leider verhindert bzw. derzeit nicht in der Lage, diese Kolumne zu verfassen – und so muss ich ran.

Zunächst einmal zur Frage, warum Frau Kiyak nicht selbst schreibt: Selbstverständlich könnte ich einfach den wahren Grund nennen, aber damit würde ich die ganze Angelegenheit banalisieren. Zumal im Berliner Kolumnistenmilieu so wunderbare Spekulationen über ihren Zustand kursieren: Burnout, akute Psychose, Selbstentzündung, Drogen, Suff, eine Zwillingsschwangerschaft nach einer Behandlung mit ukrainischen Billighormonen, beim Ponyreiten im Zoo vom Haflinger gefallen, eine hartnäckige, über Jahrzehnte den Geist degenerierende Geschlechtskrankheit, die jetzt in die finale Phase eingetreten ist, eine Entführung durch ausländische Geheimdienste, Zwangsheirat, eine geschlechtsangleichende, aber im ersten Anlauf misslungene OP…

Meinen Lieblings-Kolumnen-Nichterscheinungsgrund druckte übrigens die englische Wochenzeitung »The Spectator« am Ende des vergangenen Jahrhunderts jedes Mal, wenn ihr Kolumnist Jeffrey Bernard keinen Text lieferte: »Jeffrey Bernard is unwell«. Kurz, schlicht, informativ. Und alle wussten dann, dass Mr Bernard mal wieder hackedicht in der Ecke lag, weil er zu intensiv für seine Kneipen- und Exzess-Kolumne »Low Life« recherchiert hatte. Diese fehlende Balance zwischen Recherche und Textproduktion war das Lebensdilemma Jeffrey Bernards.

Soweit ich weiß, trinkt Frau Kiyak selten größere Mengen Alkohol. Dennoch sollten wir es hier bei einem »Mely Kiyak fühlt sich nicht« belassen. Das ist schön vage und lässt der Phantasie genügend Raum. Außerdem komme ich dann nicht in die Verlegenheit, davon zu berichten, wie ich sie neulich besuchte, um von ihr die Anweisungen für dieses Kolumnen-Substitut entgegenzunehmen. Sie lag im seidenen Kimono auf ihrer Manufactum-Récamière, blinzelte in die durchs offene Fenster scheinende Sonne und ließ sich von jungen blondierten, androgynen Domestiken in Matrosenanzügen – die sie, wie sie sagte, aus der Frühlingsfrische in Meckpomm mitgebracht hatte – die Fußnägel lackieren. Wirklich krank wirkte sie dabei nicht, aber wer bin ich schon? Hab ich Medizin studiert? Also: Frau Kiyak fühlt sich nicht, basta!

Nun hätte sie tatsächlich jeden anderen Kolumnisten fragen können, für sie einzuspringen, aber aus naheliegenden Gründen fiel ihre Wahl auf mich. Schließlich schreibe ich seit einiger Zeit für das Staatschauspiel Hannover auch eine Theaterkolumne, was aber nicht einfach nur Nachmacherei ist, sondern ein klassisches kapitalistisches Franchise-Unternehmen. So wie Starbucks oder McDonalds: Ich betreibe die Kolumne auf eigene Verantwortung und eigenes Risiko. Das heißt, alle Verluste, die durch juristische Klagen beleidigter Kolumnen-Opfer  – Politiker oder Unterhaltungskünstler, die sich falsch dargestellt fühlen –  entstehen, habe ich selbst zu tragen. Von meinen Gewinnen muss ich jedoch einen nicht unbeträchtlichen Prozentsatz an die Lizenzgeberin, die Firma »Kiyak Inc. « abführen. Außerdem ist es Bestandteil des Franchise-Vertrages, dass ich bei krankheitsbedingter Verhinderung Frau Kiyaks an ihrer beziehungsweise an dieser Stelle einspringen muss. So, here I am.

Apropos gerne mal beleidigte Politiker: Vor einigen Tagen postete der grüne Tübinger Bürgermeister Boris Palmer auf Facebook ein Foto von einigen dunkelhaarigen, jungen Männern, die auf einem Bahnsteig sitzen. Und die – das unterstelle ich mal – nicht gefragt wurden, ob sie zu diesem Zwecke fotografiert werden wollten. Dazu folgender Text: »Sigmaringen. Bahnhof. Fünf junge Männer. Offensiver Auftritt. Kontrolle im Zug: Keiner hat einen Fahrschein. Zugfahrten haben sich verändert in den letzten Jahren. Ist es rassistisch, das zu beschreiben? Ist es fremdenfeindlich, sich dabei unwohl zu fühlen?«

Nun ist nichts dagegen zu sagen, dass Herr Palmer sich unwohl fühlt. Dass darf er. Genauso wie Herr de Maizière sich wünschen darf, in einem Land zu leben, in dem »aufgeklärte Patrioten« sich bei jeder Gelegenheit die Hand geben, dabei keine Burka tragen und die NATO dufte finden. Bloß was geht mich das alles an? Warum müssen mich Politiker mit ihren privaten Vorlieben, Neigungen, Ängsten und Wahnvorstellungen belästigen? »Kaum ein Land ist so geprägt von Kultur und Philosophie wie Deutschland«  – auch das eine Aussage des Innenministers. Das kann man denken. Klar, warum nicht. Ist zwar Quatsch, aber egal. Deutschland ist nämlich genauso von Kultur und Philosophie geprägt wie von Flachsinn, Gewalt und Borniertheit – wie die meisten anderen Nationen auch. Sicher, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Goethe, Büchner, Schopenhauer, Hitler, Helene Fischer und Heidi Klum –  das ist Deutschland. Molière, Voltaire, Napoleon, Le Pen, Louis de Funès, Plastic Bertrand – das ist Frankreich. Aber selbst wenn man das in diesem Sinne richtig stellt: Haben solche Aussagen irgendeine Bedeutung? Im November regnet es öfter mal.

Doch zurück zu Palmer. Bei den südländisch aussehenden jungen Männern in der Deutschen Bahn fällt dem grünen »Querdenker« (Reutlinger Generalanzeiger) also Folgendes auf: »offensives Auftreten«, »keine Fahrkarte« und ein raunendes »Zugfahrten haben sich verändert in den letzten Jahren«. Und sein eigenes Unbehagen an dieser Situation. Wenn man junge südländisch aussehende Männer – unabhängig davon, welche Nationalität sie haben – fragt, was ihnen zum Thema Bahnfahren einfällt, dann hört man vor allem Geschichten von grundlosen, schikanösen Kontrollen durch die Bundespolizei. Der Fachbegriff lautet »racial profiling«. Aber so etwas kennt Palmer nicht. Selbst wenn er es kennte, es interessierte ihn nicht.

Wenn man als Politiker vor allem damit beschäftigt ist, die rassistischen Vorurteile seiner Wähler zu verstehen, statt ihnen zu widersprechen, hat man schlicht keine Zeit für die Lebensrealität von Leuten, die entweder gar nicht wählen dürfen – oder aus guten Gründen einen wie Palmer nicht wählen wollen. Sich mit diesen Menschen zu befassen, wäre vergebene Liebesmüh. Somit ist aus der Sicht des Tübinger »Grünen-Rebells« (Pfälzischer Merkur, Hersfelder Zeitung, Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, Rotenburger Rundschau, Chiemgau24, Saarbrücker Zeitung etc.pp.) die beabsichtigte oder versehentlich-ignorante Reproduktion von rassistischen Stereotypen mit Hilfe solcher Postings durch und durch schlüssig. Gut, wenn sich die Dinge am Ende doch zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Das beruhigt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Schwarzfahren, Grün-Wählen oder Blau-Saufen. Je nachdem, was Ihnen so gefällt. Und immer dran denken: Sie sind Deutschland. So oder so.

Und freuen Sie sich beim nächsten Mal wieder auf die Theaterkolumnistin Ihres Vertrauens, Mely Kiyak.

i.A. Hartmut El Kurdi

PS: Der verstörendste Kommentar zu de Maizières Thesen stammt übrigens von F.J. Wagner. In seiner atemberaubend wirren, fast dadaistischen und bewusstseinserweiternden, um nicht zu sagen: psychedelischen BILD-Kolumne »Post von Wagner« bezeichnet er die Forderung des Innenministers nach einer Leitkultur als altmodisch. Seine Kritik gipfelt in dem Satz: »Unsere deutsche Leitkultur muss eine Helf-Kultur werden.« Helf-Kultur! Man staunt, was doch so alles möglich ist mit der deutschen Sprache…

Referendum – Chia-Samen auf Simit

von Mely Kiyak

In zwei Wochen wird über das Verfassungsreferendum in der Türkei abgestimmt. Ist jemandem bekannt, ob Wahlbeobachter der OECD da sein werden? Angeblich wurde die Geburtswoche des Propheten Mohammed, die von Sunniten feierlich begangen wird, der Abstimmung wegen um einen Tag vorverlegt. Falls das stimmt, why not? Jetzt ist der Prophet bereits Hunderte von Jahren alt, wird er halt noch einen Tag älter gemacht. Praktisch sind sie ja, diese Sunniten. Zwei religiöse Zeremonien an einem Tag verkraftet der Orthodoxe nicht.

In ausnahmslos jeder deutschen Talkshow zum Thema Türkei-Referendum sitzen Lobbyisten der AKP. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit sitzen dort aber nicht Mitglieder der kurdischen, alevitischen, armenischen, yesidischen oder sozialdemokratischen Parteien, Vereine und Organisationen. Die AKP-Lobbyisten, die in Europa „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ heißen, kurz UETD, haben offenbar ein Abonnement bei Anne Will & Co.

Einmal war Markus Söder, Mitglied der CSU, zu Gast bei Maybrit Illner, zusammen mit einem ehemaligen HDP-Abgeordneten (das einzige Mal, dass ein Oppositioneller etwas sagen durfte) und war sechzig Minuten lang genervt und stöhnte laut auf und schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen. Sein Vorwurf: Geht’s jetzt um die Feinheiten der türkischen Verfassung, oder was?

Das muss man auch erst einmal verkraften. Dass jemandem sein Wissen vorgeworfen wird. Da fällt mir ein, wie mir Günther Jauch vor seiner Talkshow einmal ins Ohr flüsterte: Wir wissen, dass Sie viel wissen. Aber bitte behalten Sie es für sich! Sonst überfordern Sie den Zuschauer.

Die Sendung habe ich ohnehin ungut in Erinnerung. Ich saß in der Maske. Es war noch Farbe von Wolfgang Bosbachs letztem Auftritt im Airbrush. Die Maskenbildnerin bot mir an, dass sie mich damit einsprüht, weil unser Teint sich angeblich ähneln würde. Ich weigerte mich und zur Strafe bepinselte sie mich mit weißer Wandfarbe. Mit dem Rest von Bosbachs Teint wurde der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich bestäubt.

Mittlerweile gehe ich, wie viele andere Kolleginnen auch, nicht mehr ins deutsche Fernsehen. Die politische Bildung der Fernsehredaktionen ist verheerend und das Gesprächsniveau dementsprechend. Es hat keinen Zweck. Schon mal aufgefallen, dass Frauen wie Hilal Sezgin, Katajun Amirpur oder Naika Foroutan nicht mehr mitdiskutieren?

Bei dem Referendum in der Türkei geht es um die Änderung von 18 Artikeln. Sie hätte Hunderte von Folgen. Dadurch würde sich nicht nur die Justiz ändern, sondern auch die Zusammensetzung des Parlaments, die Zahl der Sitze, die Diskussionskultur. Das Blockieren von Gesetzesvorhaben würde legislativ legitimiert. Das ist eine staatsrechtlich äußerst diffizile Angelegenheit, die in deutschsprachigen Medien nirgends en Détail erläutert wird. Schade, oder? Wo wir doch alphabetisiert sind. Und seit Jahren jede Woche über die Türkei diskutiert wird.

In Deutschland erörtert man lieber, ob die Türken hier des Referendums wegen zerstritten sind.

Das Referendum ist aber keine Scheidung, bei der anschließend traurige Kinder zurück bleiben. Es geht um Menschenrechte wie Partizipation, politisches Mitspracherecht und demokratische Interessensvertreter.

Nur ein Beispiel: Seit der Republikgründung wurde die Türkei ungefähr die Hälfte ihrer Zeit im Ausnahmezustand regiert. Im Ausnahmezustand wie derzeit kann die Türkei nur für eine begrenzte Zeit per Dekret regiert werden. Danach muss sie zur parlamentarischen Demokratie zurückkehren. Wenn das Amt des Ministerpräsidenten mit dem des Staatschefs zusammengelegt wird, kann der künftige Präsident der Türkei stets per Dekret regieren. Und ja, die Abstimmung darüber ist legal und demokratisch. Die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie würde auf legalem Weg zustande kommen. Allerdings sind zuvor die Parteien, die das hätten verhindern können und die legal und demokratisch ins Parlament gewählt wurden kriminalisiert und rausgeworfen worden. Siehe: Dekret und Ausnahmezustand.

Es gibt eine seit Jahrzehnten widerständige und vitale Opposition in der Türkei. Darunter befinden sich Politiker, Menschenrechtsaktivisten, Flüchtlingshelfer, Terrorexperten, Schriftsteller, Journalisten, Ärzte, Sanitäter, Lehrer, Künstler, Architekten.

Diese Leute erzählen uns in ihren Büchern, Essays, Vorträgen, dass im Osten der Türkei ein Krieg herrsche, der vor allem einen Zweck verfolgt: Die Vernichtung der kurdischen Identität. Diese Kriege, die in der Türkei immer wieder geführt wurden, bringen nachwachsende Generationen von Widerständlern hervor, die sich mit weiteren Kurden entlang der Grenzen zu Syrien, Irak und Iran vernetzen.

Deshalb wird im Süden des Landes eine Mauer gebaut, die die Autonomiebestrebungen der dortigen Kurden ersticken und ihnen den Zugang zur Türkei versperren soll. Die Hälfte der über 500 Kilometer langen Mauer ist schon fertig gebaut. Die Taktik zuvor war übrigens, Islamisten dort ansiedeln zu lassen, die das „Problem“ lösen. Das alles wie  immer mit Waffen aus Deutschland. Das ist traditionell so. Dass Deutschland am Krieg gegen Kurden verdient.

Nach dem Referendum wird es nie wieder eine parlamentarische Opposition geben können, die Untersuchungsausschüsse fordert oder Menschenrechtsverletzungen anprangert und Rechenschaft von der eigenen Regierung fordern kann.

Wann immer es möglich war, haben Kurden für ein parlamentarisches Mitspracherecht in Parteien oder mit Direktmandaten gekämpft. Immer, ausnahmslos immer, nahm man ihnen die Immunität.

Lobbyisten aus der völkisch-rassistischen Bewegung wie der UETD finden das Referendum prima. Was sind „Europäische Türken“ eigentlich? In meiner Welt gibt es nur Staatsbürger. Welche Staatsbürgerschaft hat ein europäischer Türke? Oder gilt, einmal Türke, immer Türke – wegen Blut und Abstammung, oder warum?

Warum werden sie nie gefragt: Sag mal Europäischer Türke, warum gibt es denn seit Jahrzehnten kurdische Parteien und Widerstandsgruppen quer durch alle Bevölkerungsschichten und Milieus? Weil die kurdischsprachige Bevölkerung nicht weiß, womit sie ihren Tag herum bekommen soll?

Warum sitzen nicht jene Rechtsanwälte in ARD und ZDF, die Menschen vertreten, die seit Recep Tayyip Erdoğans Machtübernahme in Gefängnissen sitzen? Noch nie in der Geschichte der Türkei saßen so viele Menschen unter Terrorverdacht ein, wie zur Zeit der AKP-Regierung. Nicht einmal nach dem Putsch 1980 gab es so viele Inhaftierte. Die Rechtsanwälte könnten aus den Gefängnissen berichten. Von massiven Foltermethoden gegen Kinder, Frauen und Männer. Menschenrechtsaktivisten aus der Türkei und Europa können sehr detailliert über sexuellen Missbrauch, Schläge, Schlafentzug, Folter an Genitalien und anderes schildern.

Stattdessen nehmen deutsch-türkische Feministinnen in Talkshows teil und rühren das Referendum mit unterdrückten Frauen und Kopftüchern zusammen und kreieren eine Hello-Kitty-Kemalismus Vision einer guten Türkei.

In der Türkei gab es mal eine feministische Bewegung, die insbesondere auch von Kurdinnen ausging. Diese feministische Bewegung hat es geschafft, um nur ein Beispiel zu nennen, dass Vergewaltigung in der Ehe im türkischen Strafrecht berücksichtigt wird. Noch, muss man wohl ergänzen.

Oppositionelle Kurdinnen in Diyarbakir gehören zu den Pionieren der flächendeckenden Einrichtung von Frauenhäusern in der gesamten Türkei. Dass Führungspositionen in Parteien von Frauen u n d Männern besetzt werden, haben erstmals in der Türkei Parteien eingeführt, die von Kurden gegründet wurden. Diese Frauen, von denen ich spreche, brauchen weder feministische Fürsprecherinnen aus Istanbul, Ankara oder Izmir noch aus Berlin oder Köln. Nie sitzen sie in der Phoenix Runde.

Es geht bei Feminismus in der Türkei nämlich nicht um das Ablegen des Kopftuches sondern um eine selbstbestimmte Sexualität, egal ob verschleiert oder nicht, um Kinderbetreuung, Gewalt in der Ehe, Sexismus, Genderfragen, Stadt-Land-Verhältnis, Gleichberechtigung von Migrantinnen und alles das, was man auch schon aus Europa kennt.

In Deutschland legt man aber Wert darauf, dass die Frauenfrage in der Türkei sich auf Kopftücher reduziert. Das Skandalöse an der neuen Schicht der kopftuchtragenden Akademikerinnen ist nicht ihr Kopftuch, sondern ihr brutales Verständnis von Gesellschaft. Sie wollen eine Art islamisch-sunnitische Bourgeoisie mit eigenen Konzerthäusern, Museen und Shoppingtempeln, sie wollen Chanel, Chopin und Selfies vor romantischen Sonnenaufgängen im Ramadan. Die Mittel- und Oberschicht in ihren gentrifizierten gated communities hält sich Kindermädchen und Putzfrauen wie Sklavinnen. In der Türkei werden Tausende von syrischen Frauen zudem zur Sexarbeit gezwungen. An die Stelle der ausgebeuteten kurdischen Binnenmigrantinnen aus dem Osten sind die Yesidinnen und Syrerinnen getreten.

Man könnte die Liste dieser Anmerkungen seitenlang, tagelang so fortführen.

Ich möchte nur zwei Zahlen nennen.

Wenn wir über die Türkei sprechen, dann sprechen wir über eine Bevölkerungsgröße von 75 Millionen Staatsbürgern. Schätzungen gehen von ungefähr einem Viertel Aleviten aus. Eine sehr große Minderheit. Ihre heilige Schrift ist nicht der Koran und sie beten nicht in einer Moschee. Sie wählen nicht die AKP. Die Situation der Aleviten taucht in den deutschen Diskussionen gar nicht auf.

Wenigstens ein weiteres Fünftel der Türkei besteht aus Kurden. Die Menschenrechtssituation der ostanatolischen Bevölkerung spielt in den Diskussionen ebenfalls keine Rolle. Wie kann das bloß sein?

Die AKP oder UETD erzählt gerne, dass in ihren Reihen auch Kurden wären. Dabei handelt es sich allenfalls um sunnitische Kurden. Man trifft sich mit sunnitischen Türken zum Freitagsgebet und definiert die Gemeinsamkeit über die Religionszugehörigkeit, nicht über die Ethnie. Sollte ein sunnitischer Kurde für alevitischen Religionsunterricht an der türkischen Schule sein, kann er gleich sein Parteibuch abgeben.

Wir kennen dieses Assimilierungsphänomen aus Deutschland sehr gut. Es gibt Migranten, die die Menschenrechtslage der Minderheiten in der Türkei beklagen und gleichzeitig in Deutschland Rassismus gegen Muslime betreiben.

Man darf Muslime nicht bekämpfen. Das ist undemokratisch. Sie sollen beten, soviel sie wollen und mit Kopftüchern an der Universität studieren, forschen und lehren und die Bärte der Männer können von mir aus die Bürgersteige sauber fegen. Es ist ihr Recht, sich zu organisieren und die Glaubensinhalte so auszuüben, wie sie es für richtig halten. Von ganz liberal bis superorthodox muss alles drin sein dürfen.

Kritikwürdig ist, dass man in der Türkei nicht Kurdologie studieren kann. Dass keine Lehrstühle für alevitische oder yesidische Theologie erlaubt sind. Dass Wissenschaft immer nur dann gestattet ist, wenn es nicht an tradierten Weltbildern rüttelt.

Es wäre gut, wenn die Koranschulen im Osten wieder durch Grundschulen ersetzt werden würden und Soldaten der türkischen Armee wegen ihrer Kriegsverbrechen an der Bevölkerung in Ostanatolien vor einem Gericht dafür Verantwortung tragen müssten.

Es gibt zu viele Verbote in der Türkei, zu viele Tabus. Eine Gesellschaft, die so lebt, wird immer ein Problem damit haben, ihre Widersprüche in Einklang mit ihren Werten zu bringen. Und sie wird immer ein Problem mit Terrorismus bekommen.

Und trotz strengster Säkularisierungspolitik und der Gegenpolitik der Islamisierung, die sich immer miteinander abwechselten, war die Türkei im Gegensatz zu Deutschland das stets multikulturellere und multireligiösere Land, wo die Kirchenglocken genauso laut ertönten wie der Muezzin.

Und wenn noch tausend Mal die Arenen der AKP-Veranstaltungen in Deutschland gefilmt und Interviews von Erdoğan-Fanatikern eingeholt werden, es bleibt ein Ausschnitt. Ich verstehe deshalb nie, wer mit „Türken in Deutschland“ gemeint ist.
Die deutschsprachigen Publizistenkollegen sollten verstehen, dass in der Türkei nicht nur Türken leben und dass zu den vier Millionen Türkeistämmigen in Deutschland demzufolge auch Kurden, Aleviten, Juden, Christen, Yesiden und Armenier zählen und nicht zu vergessen, die alte türkische Linke, die ebenfalls vor Jahrzehnten nach Deutschland floh.

Den Riss in der türkischsprachigen Community gibt es nicht erst seit der Abstimmung über das Referendum, sondern schon immer.

Einer der vielen Gründe dafür ist auch dieser: Kurden und Oppositionelle wurden in Deutschland vom türkischen Geheimdienst i m m e r bespitzelt. Die Geheimdienstleute wurden unter den Türkischlehrern rekrutiert, unter Mitgliedern der Religionsbehörden, unter Beamten, unter ganz normalen Gastarbeitern. Seit den 1990er Jahren ist das in Deutschland gängige Praxis. Aus dieser Zeit sind Fälle bekannt, wo kurdische Schulkinder von ihren Türkischlehrern an deutschen Schulen über ihre Eltern ausgehorcht wurden.

Wenn Kurden in Deutschland über so etwas berichteten, wurden sie als spinnerte PKK-Mitglieder, Terroristen oder anderweitige Idioten behandelt. Deshalb sollten in Diskussionen über die Türkei nicht nur Menschen mit Meinungen, sondern mit Erfahrungen und – ich wiederhole mich ungerne – mit Wissen gehört werden.

Dass man sie nicht einlädt, schürt einen üblen Verdacht. Sollte jede Talkshow in Deutschland mit einem Mitglied der UETD dazu dienen, die Türkeistämmigen in Deutschland als eine debile Horde von aggressiven Idioten zu zeigen? Wo es hier doch Tausende von Menschen gibt, die seit Jahren und Jahrzehnten für Demokratie und Menschenrechte streiten, im Widerstand sind und beiden Gesellschaften, der deutschen wie der türkischen, einen Riesendienst erweisen. Darunter sind auch türkische Linke aus der Westtürkei.

Sie nicht zu beachten, sie nicht zu Wort kommen zu lassen, ist genau das, was die AKP und ihre Stellvertreter in der UETD in Deutschland wollen. Nämlich: Die Politik der Entrechtung fortführen und die Stimmen des Widerstandes nicht hörbar machen.

Ich beobachte seit zwei Jahren sehr intensiv die Besetzung dieser Gesprächsrunden und stelle fest, dass die AKP mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ihre politischen Inhalte schön gemütlich bewirbt.

Sie bräuchte für Wahlkampfveranstaltungen eigentlich kein Geld mehr ausgeben, wo es ohnehin nur darum geht, zu osmanisch angehauchter Operettenmusik ekstatisch zu klatschen und in Trance für den Führer zu fallen. Um Politik geht es da genauso wenig wie es in einem Megagottesdienst um die Bibel geht. Es geht um Zusammenhalt. Wie evangelischer Kirchentag – nur mit deutlich mehr Eyeliner.

Hätten alle Türken in Deutschland ein Wahlrecht, wären sie nicht so fixiert auf Türkeipolitik. Ich sage immer, wenn man Menschen keine Bürgerrechte gibt, machen sie schrille Sachen.

Auch die Art wie über die Gülen-Bewegung gesprochen wird, hat sich im deutschen Diskurs sehr gewandelt. Man behandelt sie, als wären die Gülenisten eine verfolgte Menschenrechtsorganisation. Sie sind meines Wissens aber immer noch eine gefährliche islamistische Sekte. Nur zur Erinnerung: Bis vor kurzem wollten die AKP und die Gülenisten gemeinsam aus der Türkei ein Boomtown Kalifat mit Börsenumsatzsteuer errichten.

Oder die Sache mit den hochrangigen Offizieren, die in Europa Asyl suchen, weil man sie des Putschversuches bezichtigt. Wenn die Türkei so scharf darauf ist, Kriminelle ausgeliefert zu bekommen, soll sie sich doch um diejenigen islamistischen Brandstifter bemühen, die seit Jahren in Deutschland im politischen Asyl leben. Diese Männer haben vor der Öffentlichkeit 1993 Aleviten in Sivas verbrannt. Das Staatsfernsehen hatte das Spektakel damals stundenlang übertragen. Die Leute, die das gemacht haben, leben jetzt gemütlich in Berlin und Köln. Möchte die Türkei sie vielleicht jetzt zurückhaben? Wo sie doch immer ihre Rechtsstaatlichkeit so betont.

Ich wünsche mir für die Türkei, dass ein bärtiger Sunnite, der Sultan Yavuz Selim [1] in der Türkei verehrt, mit einem alevitischen Kurden, der Abdullah Öcalan [2] verehrt, eine schöne schwule [3] Hochzeit feiern darf und dass das Paar armenische Kinder adoptiert, die zum Judentum konvertieren und morgens auf ihre glutenfreien Simit [4] Chia-Samen [5] streuen.

Mit dieser grazilen Vision endend, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass das Referendum in der Türkei und die Auferstehung Jesu Christi auf denselben Tag fallen.

Wenn der Geburtstag des Propheten Mohammed einen Tag später gefeiert werden kann, hätte man auch Ostersonntag verschieben sollen. Es müsste doch reichen, wenn am 16. April nur ein Gott in Erscheinung tritt, oder denkt jemand anders darüber?

Mely Kiyak

Nizza (Teil 2)

Nizza (Teil 1)

 

Danielle Benotto

Sie saß an einem wackeligen Tischchen -die Tonmasse in einer Einkaufstüte auf dem Schoß- mitten auf dem Garibaldi-Platz und stellte in aller Seelenruhe eine Skulptur her.

Es war eine Freude ihr zuzuschauen:

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Im Stoff-Paradies

Seit Jahren versuche ich vergebens einen wirklich schönen Stoffladen in Nizza zu finden. Heute bin ich durch Zufall direkt ins Stoff-Paradies gestolpert. Von außen ein kleines Lädchen in der  RUE ANTOINE GAUTIER  -und somit in allernächster Nähe unserer Ferienwohnung- in welchem fertig genähte Tischdecken, Kosmetiktäschchen oder Schürzen verkauft werden. Mein Mann meinte, ich solle trotzdem mal hineingehen und nach Meterware fragen. Vielleicht verkaufen sie ja ein paar Meter. Sie taten es! Der herbeigerufene Inhaber führte mich durch ein Verkaufslager über einen Hinterhof direkt hinein ins Stoff-Paradies: Unmengen an sauber aufgerollten Stoffen -verpackt in Folie- und ein Stoff schöner als der andere. Der Inhaber freute sich über meine Begeisterung und zog mich alte, ausgetretene Stufen hinunter in eine Art Gemäuer, wo weitere Rollen lagen. Schweren Herzens entschied ich mich für drei Muster. Der Stoff war zwar unverschämt günstig – 10 Euro pro lfd. Meter-, aber der Preis den Fluggesellschaften für Übergepäck verlangen ist leider sehr hoch.

Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder:

Tissus Toselli

 

Fortsetzung folgt…

 

 

Villefranche-sur-Mer

Nur etwa sechs Kilometer von Nizza entfernt, liegt dieses malerische Dorf und man erreicht es u.a. mit der Busline 81 ( Fahrpreis 1,50 Euro). Villefranche-sur-Mer ist der größte Kreuzfahrthafen Frankreichs, leider haben wir nicht ein einziges Kreuzfahrtschiff gesehen.

Dafür konnten zwei großen Wasserflugzeugen beim „Wasser-Tanken“ zuschauen.

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Foto oben: Figur aus Sackleinen, die auf einer Stufe hockt

Foto unten: Blick zwischen den Häusern auf die Bucht

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Beim Bummel durch die Altstadt sollte man unbedingt einen Blick in die „Rue Obscure“ werfen, eine mit Häusern überbaute Strasse.  Sie ist nur sehr spärlich beleuchtet und wirkt ein wenig schaurig. Der Eingang befindet sich neben dem Restaurant L’Oursin bleu, man muss von der Hafenpromenade aus ein paar Stufen hochsteigen.

Mir als Seifenliebhaberin hat es besonders gefallen, dass wir ganz unverhofft auf ein wunderschönes Seifengeschäft gestoßen sind.

Terres Dorees

Fortsezung folgt…

Nizza -Teil 1-

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Hashtag # I love Nizza  um das Ansehen der Stadt -welches aufgrund des Anschlags vom 14. Juli 2016 gelitten hat- zu verbessern. Sehr viele bleiben stehen, machen Fotos/ Selfies und verbreiten diese in den sozialen Netzwerken.

Promenade du Paillon, Place Masséna und Place Garibaldi

Die Promenade du Paillon ist ein zwölf Hektar großer und etwa einen Kilometer langer, wunderschöner Stadtpark im Herzen der Stadt, der durch den Abriss des ehemaligen Busbahnhofs im Oktober 2013 entstand.

Auf unzähligen  Bänken kann man in Ruhe lesen, Eis essen,  Leute beobachten und die Seele baumeln lassen. Ganz neu sind Stühle, die sich um sich selbst drehen oder hölzerne Schaukästen, in denen die einheimische Tier- und Pflanzenwelt erklärt wird. Kinder können auf den Grünflächen nach Herzenslust toben oder auf Spielgeräten aus Holz -die als fantasievolle Tiere gestaltet wurden- spielen.

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Postkarte: Miroir d’eau

Atemberaubend ist der „Miroir d’eau“, eine riesige flache Wasserfläche (siehe Postkarte oben), aus der es immer mal wieder sprüht, blubbert oder sprudelt, bis plötzlich  große Wasserfontänen in die Höhe schießen.

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Der Place Masséna ist der belebteste Platz in Nizza. Er liegt zwischen der Altstadt und der Neustadt und ist mit Geschäften und Restaurants gesäumt. Hier kreuzen sich einige große Boulevards, darunter die bedeutende Avenue Jean Médecin.

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Postkarte: Hotel Negresco, 1957

Die Straßenbahn überquert die Platzmitte, davon abgesehen gehört er aber zur Fußgängerzone.

Die alten, den Platz umgebenden Gebäude haben alle einen roten Anstrich mit blauen Fensterläden, was für diese Region typisch ist. Große steinerne Bogengänge führen zu Geschäften und Restaurants, darunter auch zur Galeries Lafayette –  Frankreichs berühmtesten Kaufhaus.

Ein Springbrunnen in einer Ecke des Platzes, mit einer 7 Meter hohen Apollo-Statue im Zentrum, stellt einige Sagen aus der griechischen Mythologie dar.

Eine moderne Kunstinstallation des katalanischen Künstlers Jaume Plensa ist in der Nacht am eindrucksvollsten, wenn die sieben Statuen farbenprächtig illuminiert sind. Auf hohen Masten thronen kniende Männer, welche die sieben Kontinente symbolisieren sollen. Brunnen und  Gebäude rund um den Platz sind nachts beleuchtet.

Das ganze Jahr über finden hier Veranstaltungen statt, im Dezember z.B. der Weihnachtsmarkt, mit einem Weihnachtsbaum, einem Riesenrad und vielen Buden.Wir haben gesehen, dass das Riesenrad erst Anfang März wieder abgebaut wird. Ein Weihnachtsmarkt, der sich also scheinbar bis in den Januar und Februar hineinzieht.

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Wenn man  am 14. Juli -dem französischen Nationalfeiertag- kommt, kann man auf dem Platz eine Militärparade und ein Feuerwerk erleben. Und das ganze Jahr über findet man dort Strassenkünstler: Maler, Tänzer, Sänger,  Jongleure und Akkordeonspieler.

Von hier aus ist es nicht weit bis zum Meer- also zur Promenade des Anglais- oder zum   Hauptbahnhof, der sich etwa 10 Minuten entfernt befindet.

Wenn wir von unserer Ferienwohnung in die Alt- oder Neustadt gehen, überqueren wir dabei den Platz Garibaldi.

Rund um den Platz findet man  Geschäfte, Restaurants und Cafes, u.a. das berühmte Café de Turin.
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Altstadt

Die Altstadt von Nizza ist ein zauberhaftes Gassenlabyrinth und jedesmal, wenn wir der Meinung waren, nun kennen wir den Weg, haben wir uns erneut verlaufen.

Sie ist voller Leben und eine  bunte Mischung aus traditionellen kleinen Cafés, Restaurants, Bäckereien, Lebensmittel- und Souvenirläden.

Der italienische Einfluss auf die cuisine niçoise zeigt sich auch in der großen Anzahl italienischer Geschäfte und  an den Wochenenden stehen die Einheimischen Schlange um frische Pasta aller Art zu kaufen. Mittendrin und zwar in der Rue Sainte Réparate, befindet sich der winzige Laden, in dem wir handgemachte Pasta, Soßen und Parmesan kaufen:

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Mittwochs und donnerstags haben sie  geschlossen.

Direkt in der Altstadt findet man auch den Saleya-Markt.  Der bekannte  Blumen-, Obst- und Gemüsemarkt findet dienstags bis sonntags von 6.00 bis 13.00 Uhr am Cours Saleya statt. Montags ist er geschlossen, dann findet dort ein Trödelmarkt statt.

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Dort werden Obst und Gemüse sowie Backwaren und landestypische Erzeugnisse, die verbürgterweise aus dem Hinterland von Nizza kommen, angeboten. Wir kaufen dort gern dunkles -also „rustikal gebackenes“-  Baguette, frisches Obst und Gemüse und  sehr leckere Oliven.

Kandierte Früchte (frz. Fruits Confits) aus der Provence, kandiertes Obst oder kandierte Zitrusfrüchte zählen zu den Spezialitäten in der Küche der Provence.

Sie sind ziemlich teuer. Für die vier kleinen Fruchtstücke (oben rechts) haben wir etwa   7 Euro bezahlt und sie schmeckten uns so grauenhaft, dass sie nach dem Probieren in den Müll gelandet sind.

Eine weitere Spezialität, die auf dem Markt angeboten wird, ist Socca. Farinata/ Socca ist der italienische Name für einen Pfannkuchen aus den Grundzutaten:  Kichererbsenmehl, Olivenöl, Salz und Wasser. Das Gericht kommt ursprünglich aus Genua und ist, mit Varianten, an verschiedenen Orten im Mittelmeerraum und in Südamerika eine lokale Spezialität.

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Es sieht recht lecker aus, traf aber nicht meinen Geschmack.

Ebenfalls in der Altstadt befindet sich der Fischmarkt, der regelmässig am Vormittag von Dienstag bis Sonntag stattfindet. Er ist Place Saint François anzutreffen,  im Norden des alten Stadtzentrums.

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Wir Norddeutschen sind natürlich große Fischmärkte gewohnt und bei unserem allerersten Besuch des Fischmarktes, konnten wir zunächst nicht glauben, dass diese vier bis fünf Stände den Markt ausmachen sollen. Je nach Saison sind es auch mal nur drei Stände, die Fisch und Meeresprodukte anbieten.

Unbekannt waren uns „Poutine“. Diese winzigen Fische (Poutine) werden mit der Schale einer Jakobsmuschel herausgenommen und in sehr kleinen Mengen verkauft.

Die Hauptattraktion dieses winzigen Marktes sind übrigens große Möwen, die in Scharen auf  den einzelnen Marktschirmen, Dächern oder einem Springbrunnen sitzen -wenn sie nicht gerade wild über den Platz fliegen-  und laut schreiend ihren Appetit auf den angebotenen Fisch kundtun. Für die Händler ärgerlich, für uns Touristen ein wunderbares Spektakel.

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Beim Bummeln durch die Altstadt kommt man an wunderschönen Kirchen und Kathedralen vorbei, in denen man mit etwas Glück -wir hatten den Eindruck, es scheint keine festen Öffnungszeiten zu geben- einen Blick in das prachtvolle Innere werfen kann.

Foto unten: Händler mit kunstvoll geflochtenen Palmzweigen vor den Kathedralen

 

Promenade des Anglais

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Die berühmte Promenade von Nizza wurde im 19. Jahrhundert von englischen Bewohnern angelegt und ist nach wie vor Anziehungspunkt für die Schönen und Reichen dieser Welt, die hier traditionellerweise vor dem Abendessen flanieren.

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Von Palmen gesäumt, erstreckt sich die Promenade von Coline du Chateau entlang der Baie des Anges bis zum 6 km entfernten Flughafen. Für einen Spaziergang hin und zurück braucht man also einige Zeit.

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Postkarte: Cote d’Azur-French Reviera-Nice- 1948

An den Wochenenden der Hochsaison strömen die Massen hierher und bevölkern die Promenade: Straßenkünstler bringen Zuschauer zum Staunen, Inline Skater ziehen ihre Runden, Jogger, Biker, Familien, Pärchen flanieren die Promenade entlang.

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Postkarte: La promenade des Anglais avec le Palais de la Mèditerranée et l’hotel Négresco en 1948

Colline du Chateau

Ein absolutes Muss für jeden Besucher von Nizza ist der Schlossberg, der hoch über Nizza thront. Die steile Treppe hinauf auf den Schlossberg ist für Ungeübte eine Herausforderung, man hat aber auf verschiedenen Aussichtsplattformen die Möglichkeit Atem zu holen.

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Es gibt einen Fahrstuhl nach oben, die Benutzung kostet außerhalb der Saison nichts, während der Saison lediglich einen Euro. Der Aufzug wurde in einen ehemaligen Brunnenschacht aus dem Jahr 1517 eingebaut, der 73 m tief in den Stein gehauen wurde.

Einige Male sollte man  zu Fuss hinaufsteigen, weil der Aufstieg an sich schon ein Erlebnis ist. Man kommt an einem  riesigen künstlichen Wasserfall vorbei, der aus dem 19. Jh. stammt und vom Fluss Vésubie gespeist wird.

Der Wasserfall und der Tour Bellanda sind am Abend sanft beleuchtet und von der Altstadt aus am schönsten zu sehen.

Auf dem Schlossberg  angekommen wird man mit einem atemberaubenden Ausblick über Nizza aus der Vogelperspektive belohnt.

Die schattigen Spazierwege hier oben liegen mitten in mediterraner Vegetation. Die Nizzaer nutzen die Ruhe der grünen Oase für ein Sonntagspicknick, während sich die Kinder auf den Spielplätzen tummeln können. Ich esse hier immer ein Eis und schaue mir das wunderschöne Nizza von oben an.

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Postkarte: Hotel Negresco

Auf dem Schlossberg findet man auch den beeindruckensten Friedhof, den ich je gesehen habe. Das Fotografieren der einzelnen Grabstätten mit seinen opulenten Grabsteinen ist nicht gern gesehen ( es ist verboten), ich habe trotzdem einige Fotos machen können.

Punkt 12 in Nizza

Seit 1860 wird jeden Tag um Punkt 12 Uhr eine Kanone vom Château östlich der Altstadt in voller Lautstärke abgefeuert. Diese Tradition geht auf Sir Thomas Coventry zurück, der mit Unterstützung des Bürgermeisters hierdurch ein pünktliches Mittagessen der Bewohner fördern wollte (Wiki).

Laut Legende liess ein reicher Schotte, der  einige Jahre in Nizza „überwinterte“, eine Kanone auf eine Terrasse des Burgbergs installieren, weil seine Frau nie pünktlich zum Mittagessen erschien. Die Einwohner wollten -nachdem das Ehepaar Nizza verließ- nicht auf diese lieb gewonnene Lärmbelästigung verzichten und behielten diese Tradition bei.

Ich habe mich bis heute nicht an diese unglaublich laute Detonation gewöhnt und erschrecke mich regelmäßig um Punkt 12 Uhr.

Der alte Hafen von Nizza

Es macht Spass an der Hafenpromenade entlang zu spazieren und sich die malerischen -im italienischen Stil erbauten- Häuser,  anzuschauen.

Der schönste Platz ist das äußerste Ende der Hafenmole.

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Im Hafen liegen kleine Segelyachten, viele Luxusjachten und auch mal ein Dreimastschoner. Spannend  zu sehen ist es, wenn die großen Fähren z.B. von Korsika oder Sardinien in die enge Hafeneinfahrt einlaufen.

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Neben unzähligen Restaurants,  kleinen Cafés und Geschäften -sehr viele Antiqitätenläden-  findet man am alten Hafen die Confiserie Florian du Port de Nice, die es seit 1974 gibt.

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Handgemachte Schokoladenspezialitäten sowie Frucht- und Blütenbonbons, Marmeladen aus Zitrusfrüchten der Region, Blütengelees, kandidierte Früchte und kristallisierte Blütenblätter kann man dort kaufen.

Nicht gerade günstig, aber Handgemachtes hat eben seinen Preis.

Ebenfalls angeboten werden dort kostenlose Führungen und Gratis-Verkostungen

La Tarte Tropézienne

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La Tarte Tropézienne kommt ursprünglich aus Saint Tropez wie der Name verrät. Es besteht aus einer Brioche mit Orangenblütenwasser und eine Mousseline Crème (Crème Pâtissière mit Butter verfeinert). Sie ist in 1955 von Alexandre Micka erfunden worden. Das Rezept ist bis heute geheim.

Brigitte Bardot verliebte sich während der Dreharbeiten von « Et Dieu créa la Femme » in dieses Gebäck. Die Bäckerei La Tarte Tropézienne existiert immer noch und hat sogar ein Restaurant und Catering Service eröffnet.

Dieses Gebäck ist einfach göttlich und die Creme mit keiner deutschen Creme vergleichbar.

Aus der Bäckerei Boulangerie Patisserie Proche du Port de Nice, 11 Rue Fodéré, 06300 Nice, Frankreich schmecken sie wunderbar. Wir werden sie in Deutschland vermissen. Ebenso wie ein richtig gut gebackenes Baguette.

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Die Ferienwohnung

Nur wenige Meter vom alten Hafen entfernt -also sehr zentral-  liegt unsere Ferienwohnung. Sie verfügt über zwei Schlafzimmer, Bad, kleiner Küche und Wohnzimmer.

Das schönste jedoch ist der sehr große Innenhof, der zur Wohnung gehört: mit Holz „gepflastert“, eine Essecke für sechs Personen, Korbgarnitur, Liegestuhl, Olivenbäumen und Oleander in Kübeln.

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Die Wohnung kostet zwischen 650 Euro und 950 Euro pro Woche. Sie liegt in der unmittelbaren Nähe des alten Hafens und nur wenige Minuten von der „Promenade des Anglais“ entfernt. Bei Interesse versende ich gern Emailadresse des Vermieters.

Nizza Teil 2

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Sabines Taschen

Jetzt endlich komme ich dazu mal ein paar Bilder zu schicken von den Milows, die ich genäht habe.
Als Materialien habe ich Softshell/Doubleface oder auch Wachstuch verwendet. Der untere Teil ist immer Kunstleder.
Die Taschenbaumler habe ich von Bensem anfertigen lassen. Immer passend zum Stoffmotiv. Sie schmücken nicht nur dezent, sie machen den Reißverschlusszipper auch ein bisschen „griffiger“.
Ich persönlich finde es schön für den Innenstoff der Tasche eine andere Farbe zu wählen, davon habe ich auch 2 Beispielbilder mit geschickt.

 

 

 

 

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Geldbörse von Gaby

Nach einiger Zeit ist es vollbracht. Ich habe meine Geldbörse fertig. Ich musste ständig wieder auftrennen, weil ich es falsch gemacht habe. Selbst die Schnalle musste ich zum Schluß noch versetzen.
Es handelt sich bei dieser Arbeit um das Portemonnaie aus dem Buch “ Taschenlieblinge selber nähen “ von Pattydoo.
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Danas Häkeltiere: Qualle

 

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Benötigtes Material:

Baumwollgarn (z.B. Schachenmayr Catania) in den Wunschfarben,

Sicherheitsaugen (Gr. ca. 6 mm)

Füllwatte

Häkelnadel Nr. 3

eine Wollnadel

eine Schere

Anleitung:

Die Qualle wird in fortlaufenden Runden gehäkelt. Bitte markiert euch jeweils den Rundenanfang mit einem bunten Faden, einem Maschenmarkierer oder einer kleinen Sicherheitsnadel.

Wie ihr die Qualle farblich gestaltet, bleibt eurer Fantasie überlassen. Man kann sie ganz einfarbig, mit einem Mittelstreifen, mit vielen Streifen usw. gestalten. Entsprechend müsst ihr dann die Wollfarbe zwischendurch wechseln. Die Anleitung ist für die grüne Qualle mit dem Mittelstreifen geschrieben.

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Die Zahlen in den Klammern bezeichnen die Anzahl der Maschen nach der gehäkelten Runde.

Abkürzungen:

LM – Luftmasche

FM – Festmasche

KM – Kettmasche

Der Körper:

1. Mit Farbe 1 (im Beispiel Hellgrün) zwei LM häkeln, Arbeit wenden

2. in die 2. Masche von der Nadel aus 6 FM häkeln (6)

3. jede Masche verdoppeln (12)

4. jede 2. Masche verdoppeln (18)

5. jede 3. Masche verdoppeln (24)

6. jede 4. Masche verdoppeln (30)

7. jede 5. Masche verdoppeln (36)

8. jede 6. Masche verdoppeln (42)

9. jede 7. Masche verdoppeln (48)

10. eine Runde FM häkeln (48)

11.-12. Wechsel zu Farbe 2 (Dunkelgrün), zwei Runden FM häkeln (48)

13. Wechsel zu Farbe 1, eine Runde FM häkeln (48)

14. jede 7. und 8. FM zusammenhäkeln (42)

15. jede 6. und 7. FM zusammenhäkeln (36)

Jetzt könnt ihr die Sicherheitsaugen anbringen. Zur Orientierung: Zwischen Runde 11 und 12 liegt die Mitte der Qualle.

16. jede 5. und 6. FM zusammenhäkeln (30)

17. jede 4. und 5. FM zusammenhäkeln (24)

18. jede 3. und 4. FM zusammenhäkeln (18)

19. jede 2. und 3. FM zusammenhäkeln (12)

Den Quallenkörper gut mit Füllwatte ausstopfen.

20. immer zwei FM zusammenhäkeln (6)

21. Die Runde mit einer KM beenden, den Faden durchziehen, abschneiden und vernähen.

Die kurzen Nesseln:

1. Eine Kette mit 30 LM plus einer Wendeluftmasche in Farbe 2 häkeln. (30)

2. Arbeit wenden und in jede LM zwei FM häkeln. (60)

Den Faden abschneiden und durchziehen. Dabei ca. 10 cm Fadenlänge zum Annähen lassen.

Das ganze macht ihr 3 Mal.

Die langen Nesseln:

1. Ihr braucht eine LM-Kette mit insgesamt 50 LM. Dabei häkelt ihr die ersten 44 LM mit Farbe 1 und wechselt dann für die letzten 6 LM plus einer Wendeluftmasche zu Farbe 2. (50)

2. Arbeit wenden und in jede LM zwei FM häkeln. Achtung: In die ersten sechs Luftmaschen häkelt ihr mit Farbe 2, dann wird für den Rest wieder zu Farbe 1 gewechselt. (100)

Den Faden abschneiden und durchziehen. Dabei ca. 10 cm Fadenlänge zum Annähen lassen.

Das ganze macht ihr 2 Mal.

Fertigstellung:

Nun näht ihr die 5 Nesseln noch unten mittig an den Quallenkörper und schon ist der kleine Meeresbewohner fertig!

 

Gruß Dana