Veronika und Lothar fliegen aus: Verdun

Das Wetter war ja brauchbar, also waren wir endlich mal wieder unterwegs.
Da es die Champagne werden sollte, war ein kleines Hotel auf dem Land gebucht, ganz romantisch, und flugs ein Köfferchen gepackt.
Nun ist Frankreich ja nicht mit so einem dichten Autobahnnetz gesegnet wie Deutschland, also haben wir dem Navi die Wahl der günstigsten Strecke überlassen, es ging von Köln aus nach Westen, dann durch Belgien, Luxembourg kurz links liegen gelassen und schwupps ist man in Frankreich.
Und das war dann (außer den Übernachtungen im wirklich schnuckeligen Hotel) alles, was von der geplanten Reise übrig blieb.
Denn der erste größere Ort, der dann auf den Schildern auftaucht, ist Verdun. Und der geschichtsbegeisterte Ehemann schaltete verdammt schnell: „Da gibt es aber viel zu sehen!“
Na gut, ich bin kein Spielverderber, die Champagne läuft nicht weg, und ein Blick in die Geschichte schadet ja auch nicht.
Also Verdun.
Und Umgebung.
4
Um es vorweg zu nehmen, wer an solchen Dingen interessiert ist, sollte da wirklich einige Tage einplanen und bequeme Schuhe mitnehmen, es gibt wirklich viel zu sehen.
Verdun selbst ist – wie fast alle Orte in der Gegend – nicht sehr schön.

6

Im Ersten Weltkrieg wurde alles zerstört, also wirklich flächendeckend, und danach schnell und mit wenigen Mitteln wieder aufgebaut, und das sieht man.
Viele kleine Orte erinnern an alte Zechensiedlungen im Ruhrgebiet, und äußerlich ist nicht viel saniert/renoviert worden, denn der Landstrich gehört immer noch zu den ärmeren Ecken Frankreichs.
5
Viel umfangreicher wird in Museen, Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten investiert, da ist alles penibel gepflegt und auf neuestem Stand.
Als erste Station haben wir das „Memorial Verdun“ gewählt, ein komplett neu gestaltetes Museum mit interessanten Ausstellungsstücken und einem teilweise ungewöhnlichen Konzept.
1
Man hat stellenweise den Boden so gestaltet, wie er damals ausgesehen haben muss, und der Besucher kann über Glasscheiben darüber gehen. Das fiel nicht nur uns wirklich schwer, es ist ein seltsames Gefühl, und jeder blieb erst einmal stehen und tastete sich vorsichtig voran.
2.jpg
Für einen Besuch dort sollte man um die 2 Stunden einplanen.
Ganz in der Nähe ist dann das „Beinhaus“, in dem ca. 130000 Gefallene bestattet sind.
3.jpg
Wie auch im Memorial kann man dort Filme zum Thema schauen, teilweise mit Kopfhörern für die Verdolmetschung.
Die beiden naheliegenden Forts, Fort Douaumont und das etwas kleinere Fort de Vaux, können innen besichtig werden, und man kann die Anlagen auch außen begehen, es führen Treppen mit Handläufen nach oben, aber auch hier sind halbwegs feste und bequeme Schuhe von Vorteil.
Innen gibt es die verschiedenen Abteilungen, wie Schlafräume, Sanitätsstation, Befehlsstand oder auch den Taubenschlag für die damals gehaltenen Brieftauben zu sehen.
Bewegt man sich von einer Gedenkstätte zur nächsten kommt man an einigen zerstörten Dörfern vorbei, die nie wieder aufgebaut und besiedelt wurden. Die Ruinen sind inzwischen stark bewachsen, aber man erkennt immer noch etliche Umrisse und Reste von den damaligen Häusern.
Überhaupt merkt man auch beim einfachen Waldspaziergang noch immer die Folgen des Krieges. Es reiht sich Krater an Krater, und auch viele Schützengräben sind noch erhalten.
Das vom ursprünglichen Reiseplan beibehaltene Hotel ist sehr zu empfehlen, es liegt in Marre und heißt „Le Village Gaulois“, das gallische Dorf, und so sieht es auch fast aus.
Es kommt einem vor wie der Lebenstraum der Betreiber, die in jahrelanger Arbeit alles so liebevoll gestaltet haben.
Man wird sehr freundlich und familiär aufgenommen, und der Patron findet immer Zeit für ein persönliches Wort.
Die Steine für die einzelnen Gebäude wurden nach und nach gesammelt, die runde „Hütte“ des Restaurants sieht so aus als käme jeden Moment Majestix heraus mit der einzigen Sorge, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Dicke, niedrige Holztüren und ein offener Kamin runden das Bild perfekt ab.
Die Zimmer sind alle individuell und sehr einfallsreich gestaltet, sie haben keine Nummern sondern Namen, wir bewohnten „Tulipe“, welches eine hübsche Terrasse im üppigen Bauerngarten hat.
6.jpg
Und die Küche ist so hervorragend, dass wir jeden Abend im Hotel geblieben sind und dort gegessen haben.
3
Marre scheint ein guter Ausgangspunkt für Touren aller Art zu sein, nicht nur Richtung Verdun, denn wir trafen einige Radler und Wanderer dort. So wird es sicher noch einmal unser Ziel sein, wenn wir dann die andere Richtung erkunden werden, die Champagne und Reims.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s