DIY: Beuteltasche „Julchen“

Beuteltasche „Julchen“

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„Julchen“ ist leicht und schnell nachzunähen, so dass man sie mit wenig Mühe aus verschiedenen Stoffen und in unterschiedlichen Farben herstellen kann. Zum Behalten oder auch zum Verschenken.

Sie sieht pfiffig aus, ist geräumig und verfügt über Außen- und Innenfächer.

Für Julchen eignen sich Reststoffe – die sich mit der Zeit in jedem Nähstübchen ansammeln – weil sie aus drei verschiedenen Oberstoffen zusammengesetzt wird.

Die Näh-Anleitung ist ausführlich geschrieben, so können gerade Anfänger diese Tasche problemlos nacharbeiten.

Bitte vor Arbeitsbeginn die Anleitung einmal komplett durchlesen.

Das Schnittmuster erstellt man sich mit Stift, Lineal, einem Bogen Packpapier und einer genauen Anleitung selbst, es läßt Raum für individuelle Anpassungen und Veränderungen.

Die Außentasche besteht aus drei verschiedenen Stoffen:

Oberstoff 1/ Größe: ca. 50 cm x 50 cm ( 2 x)

Oberstoff 2/ Größe: ca. 25 cm x 50 cm (2 x)

Oberstoff 3/ Größe: ca. 25 cm x 50 cm (2 x)

Die Tasche läßt jedoch ebenso gut aus nur einem oder zwei Stoffen nähen.

Die Innentasche besteht ebenfalls aus drei verschiedenen Stoffen:

Futterstoff 1/ Größe: ca. 50 x 50 cm (2 x)

Futterstoff 2/ Größe: ca. 25 cm x 50 cm (2 x, optional)

Futterstoff 3/Größe: ca. 25 cm x 50 cm (2 x, optional)

Doch auch hier kann man auch nur einen Stoff verwenden. Wer keine Innenfächer benötigt, lässt sie einfach weg.

Material:

Passende Stoffe (Taschen-/ Futterteil 4 mal 50 x 50 cm, Außenfächer 8 mal 25 cm x 50 oder wer keine Innenfächer haben möchte 4 mal 25 cm x 50 cm)

Vlieseline H 640 oder H 630 (für Außentasche und Boden, wenn der Stoff verstärkt werden muss)

Gurtband 4 cm breit/ etwa 150 cm (muss individuell an die Größe der Trägerin angepasst werden)

Stift, langes Lineal, Packpapier, Geodreieck, Schneiderkreise/Markierstift, Schere, Rollschneider, großer Zirkel o.ä.

Zunächst fertigt ihr auf einen ausreichend großen Bogen Packpapier folgendes Schnittmuster an:

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Dieses Papierschnittmuster ausschneiden.

Eine ausführliche Beschreibung zur Erstellung des Schnittmusters findet ihr im Anhang.

Oberstoff 1 rechts auf rechts legen und das Schnittmuster ausschneiden.

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Das Schnittmuster zur Hälfte umklappen:

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Oberstoff 2 rechts auf rechts legen und das umgeklappte Schnittmuster ausschneiden:

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Oberstoff 3 ebenfalls rechts auf rechts legen und das umgeklappte Schnittmuster ausschneiden.

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Ihr habt jetzt also 6 Schnittteile vor euch liegen:

2 x Oberstoff 1 (Original-Schnittmuster)

2 x Oberstoff 2 ( umgeklapptes Schnittmuster)

2 x Oberstoff 3 (umgeklapptes Schnittmuster)

Beide Außenfächer nähen

Jeweils 1 Teil von Oberstoff 2 auf einen Teil von Oberstoff 3 rechts auf rechts legen und an der markierten Linie (siehe Foto) zusammennähen/steppen. Das werden die späteren Außenfächer.

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Kleine Knipser in die Nahtzugabe schneiden, die Stoffe wenden und die Naht gut glattbügeln.

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Auf der rechten Seite einmal in Nähfüßchenbreite absteppen.

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Wer mag, kann ein wenig vom Oberstoff 3 rausschauen lassen (siehe Foto oben), so dass es wie eine Paspel aussieht.

Vlieseline

Bei der gelben Tasche habe ich festen Ripsstoff verwendet, der nicht mit einem Stück Vlieseline verstärkt werden musste. Der Baumwollstoff dieser schwarzgemusterten Tasche ist jedoch viel dünner und muss vor der Weiterverabeitung durch Vlieseline ein wenig Standfestigkeit bekommen.

Auf beiden Teilen von Oberstoff 1 Vlieseline aufbügeln.

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Nach dem Aufbügeln die überstehende Vlieseline abschneiden.

Vlieseline bügel ich immer mit einem Stück Backpapier auf, damit das Bügeleisen -wenn es versehentlich in Kontakt mit der Klebeseite kommt- nicht verschmutzt.

Die Außenfächer mittig auf Oberstoff 1 legen und die weiß markierten Linien absteppen (siehe Foto).

Beim Einzeichnen der Linien orientiert ihr euch an dem oberen geraden Stück (6 cm) der Taschenkante (siehe Foto unten)

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In dieses schmale Fach schieben wir später den Tragegurt, also vorher einmal testen, ob er auch wirklich hineinpasst.

Wie ihr auf dem oberen Foto sehen könnt, habe ich den Oberstoff 1 etwas gequiltet, weil er sich mit seinem geografischen Muster geradezu anbot.

Mit dem zweiten Taschenteil ebenso verfahren.

Ihr habt jetzt also zwei Taschenteile mit aufgenähten Außenfächern vor euch liegen.

Tragegurt anbringen

In einen Taschenteil schiebt ihr den Gurt bis zum unteren Ende ( dort wo später der Boden eingesetzt wird) durch und näht ihn (wie auf Foto unten zu sehen) an den eingezeichneten Linien auf dem Oberstoff 1 fest.

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Näht den Gurt nicht bis zur Taschenkante an den Oberstoff fest, dort wird später noch etwas Platz für das Einnähen der Innentasche benötigt. Also etwa 3 cm Platz lassen.

In der Lasche näht ihr den Gurt so fest, wie es auf dem Foto unten zu sehen ist.

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An das andere Ende des Gurtes näht ihr das zweite Taschenteil nach dem selben Schema fest. Bevor ihr das andere Gurtende festnäht, testet ihr aus -in dem ihr euch die Teile einmal über die Schulter hängt- ob die angegebene Gurtlänge von etwa 145 cm für euch passend ist.

Wir haben jetzt also zwei Taschenteile, die mit einem Gurt verbunden sind (siehe Skizze)

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Beide Taschenteile rechts auf rechts legen und die Seitenkanten -links und rechts- festnähen. Vor dem Nähen begradige ich mit einem langen Lineal/ Patchworklineal und einem Rollschneider die Kanten.

Die Kanten entweder mit einer Overlock-Maschine oder einem Zickzackstich versäubern.

Die Seitennaht nach einer Seite umklappen, feststecken und auf der rechten Seite mit einer Stichlänge von 3,5 absteppen. Das sieht hübscher aus und macht die Tasche natürlich auch strapazierfähiger.

So sollte eure Tasche nun aussehen:

Die Seitenkanten sind verschlossen, oben und unten ist die Tasche noch offen.

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Auf dieselbe Art und Weise stellt ihr nun die Innentasche her. Für die Innentasche muss man nicht -wie bei der Außentasche- verschiedene Futterstoffe wählen. (Einen Gurt bringt man natürlich auch nicht an 😉 )

Und wer keine Innenfächer benötigt, schneidet sich lediglich zweimal den Futterstoff aus und näht ihn an den Seitenkanten zusammen.

Boden für Außen- und Innentasche

Der Durchmesser der Taschenböden beträgt etwa 31,5 cm.

Mit einem Zirkel (oder einem passenden Essteller) fertigt man das Schnittmuster für den Taschenboden an.

Wenn ihr wissen möchtet, wie man den passenden Durchmesser eines runden Taschenbodens ausrechnet:

r = U geteilt durch 2pi

r = radius

U = Umfang

pi = 3,14

also: 96 cm ( 2 x die Taschenbreite) geteilt durch 6,28 ( 1 Pi ist etwa 3, 14) = 15,3 cm

Das ist der Radius (also der halbe Durchmesser des Kreises). Wir nehmen noch 1 cm dazu, wegen der Nahtzugabe.

Der Durchmesser des Kreises beträgt also 2 x Radius plus 2 cm Nahtzugabe = ca. 32,5 cm

Falls ihr also einmal die Taschengröße verändern möchtet, könnt ihr mit dieser Formel berechnen wie groß der Boden sein muss.

Ihr benötigt den Boden einmal für die Außentasche und einmal für die Innentasche.

Auch hier gilt: ist es ein robuster Stoff, kann man auf Vlieseline verzichten. Handelt es sich wie bei der schwarzen Tasche um einen normalen Baumwollstoff, benötigt er Vlieseline, sonst wird die Tasche später „labberig“.

Wenn also nötig, auf beide Böden Vlieseline aufbügeln.

Boden und Tasche „vierteln“

Um einen runden Boden gut einsetzen zu können, gibt es einen „Trick“

Den Boden einmal mittig falten und rechts und links an den Faltstellen (Bruch) markieren. Dazu nehmt ihr entweder einen Stift (z.B. Aqua Trickmarker) oder Stecknadeln. Boden wieder aufklappen und nun Markierung auf Markierung legen. Die Faltstellen (Bruch) wieder markieren. Wenn ihr den Boden wieder aufklappt, ist er in Viertel unterteilt.

Ich zeige es euch einmal an dem Schnittmuster des Bodens:

Boden mittig falten und und jeweils rechts und links an den Faltstellen markieren

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Boden wieder aufklappen und nun Markierung auf Markierung legen und wieder die Seiten markieren

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Wenn ihr den Boden wieder aufklappt, ist er in Viertel unterteilt

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Bei der Tasche legt ihr Seitennaht auf Seitennaht und markiert die Seiten mit Stecknadeln oder mit einem Trickmarker. So habt ihr ebenfalls die Tasche geviertelt: zwei Seitennähte und zwei Markierungen.

Ihr habt jetzt

Außen- und Innenboden mit „Viertelmarkierung“

Außen- und Innentasche mit „Viertelmarkierung“

Einsetzen des Bodens

Die Außentasche auf links ziehen.

Boden und Außentasche an den Markierungen rechts auf rechts zusammenstecken.

Zwischen den Vierteln Boden und Außentasche gleichmäßig zusammenstecken. Evtl. muss man -wenn es nicht so ganz passt- eine kleine Falte einarbeiten.

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Einmal vorsichtig rundherum – mit etwa einem Zentimeter Abstand zum Rand – nähen.

Dabei darauf achten, dass alle Stofflagen mitgefasst werden. Der Boden liegt beim Nähen oben.

Tasche auf rechts drehen und überprüfen, ob alles gut genäht/gesteppt wurde. Tasche wieder auf links ziehen und die Nahtzugabe entweder mit einer Overlock-Maschine oder mit einem Zickzackstich versäubern.

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Mit der Innentasche und dem Innenboden ebenso verfahren.

Zusammensetzen von Außen- und Innentasche

Die Außentasche auf links ziehen, die Innentasche auf rechts.

Innentasche in die Außentasche stecken und dabei drauf achten, dass beim Zusammenstecken Seitennaht auf Seitennaht liegt.

In Nähfußbreite einmal rundherum steppen, dabei eine Wendeöffnung von etwa 20 cm lassen.

Jetzt seht ihr auch, wie wichtig es ist, den Gurt nicht bis zum Taschenrand festzunähen. Man muss nun nämlich zwischen Gurt und Taschenrand nähen und benötigt dafür ein wenig Platz.

Tasche vorsichtig durch die Wendeöffnung wenden.

Auf der rechten Seite einmal rundherum absteppen und dabei die Wendeöffnung schliessen. Gurt dabei mitfassen.

Taaadaaa…fertig 🙂

Anhang

  • Schnittmuster

Nehmt einen halben Bogen Packpapier (50 cm x 70 cm), faltet ihn einmal längs und zeichnet die Bruchkante ein:

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Ziemlich weit oben (siehe Foto unten) zeichnet ihr eine waagerechte Linie ein: jeweils 3 cm nach rechts und 3 cm nach links

Danach parallel zur oberen Linie und im Abstand von 10,5 cm eine zweite Linie ein: jeweils 24 cm nach rechts und 24 cm nach links

Und es folgt noch eine dritte Linie, die ebenfalls parallel zu den oberen Linien verläuft: wie die zweite Linie 24 cm nach rechts und 24 cm nach links. Der Abstand zur zweiten Linie beträgt 36, 5 cm

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Nun verbindet ihr die äußeren Punkte

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Das Schnittmuster ausschneiden.

Für die Außenfächer wird das Schnittmuster einmal mittig gefaltet, überstehende Ecken nach hinten geklappt.

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Nur zur Info:

Auf diesen Fotos stimmen die Proportionen nicht mit dem Original-Schnittmuster überein, weil ich zum Fotografieren ein kleineres Blatt Papier genommen habe.

2 Kommentare zu „DIY: Beuteltasche „Julchen“

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